Zurück in Bewegung: Wie ich nach Koma und Schlaganfall meinen Weg im Sport neu gefunden habe
Sport war lange ein zentraler Teil meines Lebens. Ich habe leistungsorientiert trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen, Kraft und Ausdauer gehörten zu meiner Identität. Bewegung gab mir Struktur und Halt.
Ein schwerer Verkehrsunfall im Jahr 2010 hat dieses Leben abrupt unterbrochen. Es folgten eine lange Zeit im Koma und später zwei Schlaganfälle. Zurück blieben deutliche körperliche Einschränkungen, vor allem auf der rechten Körperseite. Größtenteils war ich auf den Rollstuhl angewiesen, vieles im Alltag wurde mühsam. Mit der körperlichen Leistungsfähigkeit gingen auch Sicherheit, Selbstvertrauen und Perspektiven verloren.
Die Jahre danach waren schwierig. Ich zog mich zurück, verlor meinen beruflichen Alltag und zunehmend auch den Bezug zu mir selbst. Mein Lebensstil wurde ungesünder, mein Gewicht nahm stark zu. Rückblickend weiß ich, dass diese Phase mir weiter geschadet hat. Es war ein Tiefpunkt, an dem wenig Zuversicht blieb.
Der Wendepunkt kam in der Rehabilitation. Ich habe für mich bewusst entschieden, wieder aktiv zu werden – Schritt für Schritt. Anfangs mit einfachen Bewegungsformen, später mit klarer Struktur. Über das Handbike und Ergometertraining fand ich zurück in regelmäßige Bewegung. Daraus entwickelte sich ein fester Trainingsalltag mit Ausdauer‑, Kraft‑ und Physiotraining. Es war kein schneller Weg, sondern kontinuierliche Arbeit gegen die eigenen Grenzen.
Seit sechs Jahren werde ich dabei von Incorts Muttergesellschaft STOLLE Sanitätshaus begleitet. In der Beratung ging es nicht um Standardlösungen, sondern um eine Versorgung, die zu meinen Möglichkeiten, meinem Alltag und meinen sportlichen Zielen passt. Gemeinsam wurden ein Aktivrollstuhl und ein passender Antrieb ausgewählt und individuell angepasst. Die Versorgung unterstützt mich heute sowohl im täglichen Leben als auch im Training und gibt mir die nötige Sicherheit und Selbstständigkeit.
Inzwischen nehme ich wieder regelmäßig an Wettkämpfen teil. In diesem Jahr stehen mehrere sportliche Höhepunkte an: Im Mai starte ich beim Bratislava Triathlon, im Juni folgen die Landesspiele und die Deutsche Meisterschaft in Lubmin. Der Blick geht dabei weiter nach vorn. Mein langfristiges Ziel ist die Teilnahme an den Special Olympics Weltspielen 2027 in Chile.
Für mich bedeutet der heutige Alltag vor allem eines: wieder aktiv zu sein und eigene Ziele verfolgen zu können. Nicht trotz der Einschränkungen, sondern mit einer passenden Unterstützung. Bewegung ist für mich kein Wettlauf gegen andere, sondern ein Weg, den ich bewusst gehe – jeden Tag ein Stück weiter.